Eilige Retrospektive

Auftakt der Sommerkinoreihe: Hans Horns Frühwerke

Bad Tölz - So sehr ihn das auch ehrt, ein bißchen hat die Einladung Hans Horn auch erschreckt. "Ein komisches Gefühl", sagt der Regisseur aus Greiling (Wohnsitz München), "jetzt, wo ich gerade anfange, wollen die schon eine Retrospektive von mir zeigen". Zum Auftakt ihrer Sommerkinoreihe hat die Komische Gesellschaft (KG) aus Bad Tölz nämlich für heute abend einen Hans-Horn-Abend in der Alten Madlschule organisiert (20 Uhr), bei dem der Filmemacher auch dem Interviewer Pit Hansing Rede und Antwort stehen muß.

Die Gelegenheit will der Regisseur nutzen, um einiges richtigzustellen. Vorab ist veröffentlicht worden, daß die Filmnacht die letzte Möglichkeit zu einem Treffen mit Horn sei, bevor er auf Nimmerwiedersehen nach Hollywood verdufte. "Natürlich nicht", sagt Horn. In Los Angeles will er zwar einen Monat lang mit Zeichnern von "Dreamworks" ein bewegtes Storyboard für sein Filmprojekt "Hunters on the edge" erstellen, um "Entwicklungsgelder aufzureißen". Noch zieht Horn aber einiges nach Hause zurück. Vor allem der Film "Der Rumpf", den er Anfang 2000 für Senator verfilmen wird.

Was Horn bisher gedreht hat, besitzt aber allemal Kultstatus: Angefangen bei "Mementum", einem Film über den Wandel Greilings im Dunstkreis der Mülldeponie, der ihm den Kurzfilmpreis des Bayerischen Rundfunks und letztlich auch einen Platz an der Filmhochschule in München eingebracht hat.

Dann wird "s/w" gezeigt, in dem Horns Bruder Sebastian einen Suizidgefährdeten spielt. "Ein pessimistisches Stück - typisch für das erste Jahr Filmhochschule", sagt Horn heute. Damals entstand über einen Zeitraum von vier Jahren auch "Wolpodzilla - Schrecken vom Tegernsee", eine Hommage und Persiflage auf die Monsterfilme japanischer Schule und von Anfang an ein Kultfilm. Schließlich spielen außer Peter Horn (der andere Bruder) einige bekannte Schauspieler mit, und Thomas D. von den ,,Fanta 4" rappt dazu.

Ein Kurzfilm darf in der Sammlung keinesfalls fehlen: "Easy day", Horns Lieblingskind, in dem Franka Potente eine Hauptrolle spielt. Die Dreharbeiten rund um die Gumpen bei Lenggries waren gefährlich (ein Stuntman wäre beinahe ertrunken), aber am Ende war Horn wirklich zufrieden. Die Musik zu "Easy day" stammt von der Band seiner Brüder, den Bananafishbones, deren erste Erfolgsvideos Horn gedreht hat ("Come to sin" und "Easy day"). "Wir helfen uns gegenseitig", sagt Horn, seine Brüder werden beim Filmabend natürlich auch vorbeischauen. Den Abschluß macht ein einminütiger Trailer zu Horns erstem abendfüllenden Spielfilm "Der Bunker", der auf Pro-7 lief.

Jede Menge Filmmaterial - und genau das ging der KG bei der dritten Auflage ihres Videowettbewerbs im Vorjahr aus. Deswegen wollten die Kulturmacher heuer etwas anderes machen, nämlich Themenabende. Nach der Hans-Horn-Nacht präsentiert die Komische Gesellschaft am Freitag, 6. August, einige Werke des freien Film-Redakteurs Karsten Scheuren, der bei Oberland TV begann und nun bei ZDF und RTL gelandet ist. Am Samstag, 14. August, gibt es einen "Charlie-Chaplin-Abend" im Marionetten-Theater, wo dann jeweils eine Woche darauf "Vampira -Queen of London ´66" und eine Trashnight mit Schund und Kitsch aller Art zu sehen sein werden.

zir

(Tölzer Kurier vom )